
Thomas Seidl 1968 – 2011
Ich habe mir gewünscht, nie in die Situation zu kommen, diese Zeilen schreiben zu müssen. Aber mit voller Brutalität hat uns die Realität überrumpelt.
Thomas starb plötzlich und völlig unerwartet während eines Urlaubes in Griechenland.
Kurz vor seinem Abflug hat er mir voller Vorfreude noch vorgeschwärmt, wie er sich auf den Urlaub und vor allem auf das Meer freut: „Einmal im Jahr muss ich ans Meer. Die Luft, das Klima, das Salzwasser, da kann ich mich regenerieren .“ Doch genau als es am schönsten war......
Es ist so unfassbar, aber wir müssen lernen mit seinem Verlust zu leben.
Mein tiefstes Mitgefühl und Beileid gilt seinem Lebensgefährten, seinen Eltern, Verwandten und Freunden.
Thomas wurde am 1. November 1968 im südlichen Wiener Becken geboren. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und Schulzeit, danach zog es ihn nach Wien. Wo er sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten einen Namen in Wiens alternativer Veranstaltungs- und Partyszene machte.
Seine Events waren nie auf Profit aus und vereinten eine immer größere Schar an Freunden, die mit der kommerziellen, kurzlebigen Partyszene nichts anfangen konnten. Mit seiner fast unendlichen Kreativität verwirklichte er zwei Spielfilme, gab ein Buch heraus, veranstaltete wöchentlich Clubbings, produzierte eine Telenovela und zwei selbstgeschriebene Musicals und und und und....
Viel Geld hat er nie dafür bekommen, es ging sich immer gerade so aus. Ihm waren Freundschaften und der Sinn an der Sache immer wichtiger als der Profit.
Wie er eigentlich zum Orchideenhobby kam, weiß ich gar nicht.
Ich kannte ihn schon von diversen seiner Veranstaltungen eher oberflächlich und erst durch seine Teilnahme an Veranstaltungen der Orchideengesellschaft in den Jahren 2003 und 2004 wurde unser Kontakt intensiver.
Ende 2004 trat Manfred Schmucker auf uns zu, ob er wir, die „Jungen“ , den Orchideenkurier übernehmen wollen. Thomas war mit seiner fast unendlichen Kreativität gleich bei der Sache und im Februar 2005 war der neue Orchideenkurier geboren. Da er auch seine eigenen Veranstaltungen mit selbst gestalteten Prospekten, Zeitschriften und Flugzetteln beworben hat, war das Erstellen und Layouten des Orchideenkuriers für ihn kein großes Problem. Die unzähligen Stunden hinter dem Computer waren für ihn viel Spielerei. Die Unmenge an Arbeit war für viele von uns nicht sichtbar, auch hat er sich selbst nie in den Mittelpunkt gestellt, sich beklagt oder Lorbeeren eingefordert – obwohl die ihm allemal zugestanden wären.
Mit seiner unkomplizierten Art und seinem positiven Glauben war es fast logisch, dass er im März 2010 als Obmann die Wiener Orchideengesellschaft übernahm und bald darauf auch einer der Vizepräsidenten der ÖOG wurde. Sein oberstes Ziel war immer, die Querelen der Vergangenheit hinter sich zu lassen und alle Orchideenfreunde wieder für die eine Sache, unser Hobby, die Orchideen, zu begeistern.
Neben dem menschlichen Verlust trifft sein Tod die Wiener Orchideengesellschaft sehr hart, die einen engagierten Obmann verliert. Die Österreichische Orchideengesellschaft verliert neben dem Vizepräsidenten auch den kreativen Kopf des Orchideenkuriers. In den folgenden Wochen wird es viele Diskussionen und Besprechungen geben, wie wir hier weitermachen können. Eines ist sicher: es muss weiter gehen, es wird weiter gehen.
Thomas, du bist vorausgegangen. Aber eines Tages sehen wir uns alle wieder, und darauf freue ich mich.
Werner Blahsl
Ich darf mich den Worten anschließen
Ich hatte in Thomas einen sehr sehr lieben Freund gefunden und diesen leider zu früh und völlig unerwartet verloren.
Ich stellte mir oft die Frage: WARUM? sie bleibt unbeantwortet.
Elisabeth Kerschbaum



Die Wiener Orchideengesellschaft trauert um ihren Obmann Thomas Seidl. Er starb plötzlich und völlig unerwartet während eines Urlaubes in Griechenland.
Die Österreichische Orchideengesellschaft verliert neben ihrem Vizepräsidenten auch den kreativen Kopf des Orchideenkuriers, den er seit 2005 mit seinem fast unendlichen Einfallsreichtum gestaltete.
Unser tiefstes Mitgefühl und Beileid gilt seinem Lebensgefährten, seinen Eltern, Verwandten und Freunden.
Dipl.Ing.M.Speckmaier



DIE MEDIEN:
Wer Anfang der 90er Jahre eine Vorliebe für House- und Technomusik besaß, kam an den Partys von H.A.P.P.Y nicht vorbei. Nachdem die Blue Box, in der alles begann, schnell zu klein wurde, übersiedelte die H.A.P.P.Y-Bande rund um ihren Mastermind Thomas Seidl, a.k.a. Herr Tomtschek in das WUK. Die Partys wurden größer, verloren dabei aber nichts an ihrem liebenswürdigen, beinahe familiären Charme, der auch in den kommenden Jahren zu einer Art Markenzeichen der H.A.P.P.Y-Crew in ihren wechselnden Besetzungen wurde.
Abgesehen von diesen mittlerweile legendären Partys, realisierte Thomas in diesen fast zwei Jahrzehnten u.a. zwei Spielfilme, produzierte die H.A.P.P.Y-Gazetti , diverse Trash-TV-Formate (darunter Perlen wie Heimen Und Werken, Die Einzige Men-Only-Bastelsendung ), veröffentlichte das Buch Haare am Popo, Yeah , und initiierte und realisierte unzählige Aktionen, Happenings und Performances.
Humor ist eine ernste Sache, wie man allgemein sagt, und so hat auch Thomas an seinen Projekten – die oft den Charakter des Unfertigen und Trashigen hatten – akribisch gearbeitet. Bei ihm waren Perfektion und Dilettantismus kein Widerspruch, sondern vielmehr die Grundvoraussetzungen für den Charme und die Originalität seiner Arbeit.
Thomas war, in der Arbeit wie im Leben, witzig, offen, ehrlich, freundlich, bestimmt und – etwas, was man in der Kunstwelt gar nicht hoch genug schätzen kann – absolut nicht korrumpierbar. Bei allem Nonsense waren seine Arbeiten immer auch klare Statements gegen Homophobie, Intoleranz und gedankliche Engstirnigkeit, egal vor welchem politischen oder ideologischen Hintergrund.
Zuletzt realisierte die H.A.P.P.Y.-Crew mit dem Kuchenloch ein charmantes Pop-Up-Kaffee im 17. Bezirk frei von jedem Kommerz-, Hipster- und Gentrifizierungswahn, und mit S.O.A.P eine neue Performancereihe, in der sich der schräge Humor und der einzigartige Ideenreichtum von Herrn Tomtschek und seiner Crew ein weiteres Mal voll entfalten konnten. Alleine der live gedrehte Vorspann hätte ihm sämtliche Fernsehpreise dieser Republik einbringen müssen.
Nach den Aufführungen von Steffi , LAGERHOUSE – Ein Leben Zwischen Cola Und Crack und H.O.R.R.O.R war für Februar 2012 das nächste abendfüllende Stück in Planung. Dazu, und zu vermutlich unzähligen anderen Ideen, wird es nun leider nicht mehr kommen.
Vor einigen Tagen ist Thomas Seidl im Urlaub tödlich verunglückt. Für fast zwei Jahrzehnte hat er das WUK und hundertausende Menschen H.A.P.P.Y gemacht. Sein überraschender Tod lässt uns S.A.D. zurück.
Mit Herrn Tomtschek hat Wien einen großartigen Künstler verloren. Und mit Thomas Seidl einen wundervollen Menschen.