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Allgemeines zu Pflege

Cattleya, Cymbidium, Zygopetalum, Dendrobium, Vanda, Miltoniopsis, Paphiopedilum

frisch importierte Orchideen bewurzeln

 

da kein Kulturraum gleich ist, handelt es sich hierbei um allgemein gehaltene Kurzinformationen! Für weiterführende genauere Tricks besuchen Sie uns, wir helfen gerne. Ebenso empfehlen wir fachspezifische Literatur.

 

Es gibt Warmhausorchideen, Orchideen für den temperierten Bereich und Kalthausorchideen.

Warmhausorchideen: z.B. Phalaenopsis benötigen keine besondere Temperaturabsenkung, um zur Blüte zu kommen. Im Normalfall kommen sie nach dem Verblühen nach 9 Monaten wieder zur Blüte. Der Standort sollte hell, warm, nicht vollsonnig sein. (schattieren kann man durch ein Vorhang im Hochsommer).

Bei allen Orchideen ist Zugluft zu vermeiden, (besonders, wenn sich Knospen zeigen -> dies könnte zum frühzeitigen Abfall führen) jedoch Frischluftzufuhr für eine gesunde Pflanze von Vorteil.

Orchideen mögen keine nassen Füsse ! Das Substrat muss gut abgetrocknet sein, bevor man wieder giessen sollte. Prüfen Sie das Topfgewicht durch hocheben: fühlt sich der Topf schwer an, ist noch genügend Restfeuchtigkeit am Boden des Subtrates. Fühlt sich der Topf sehr leicht an, dann ist das Substrat trocken. Im Regelfall genügt (je nach Temperatur! ) 1x wöchentliches Giessen. In den Wintermonaten, wenn nicht genügend Licht vorhanden ist und die Temperatur absinkt, das Substrat länger braucht um völlig zu trocknen, ist das Giessrythmus zu verlängern.

Benützen Sie kein stark kalkhaltiges, kaltes Leitungswasser. Lassen sie ihr Giesswasser über Nacht stehen, so erreicht es Zimmertemperatur. Vermeiden Sie, dass Wasser in die Blattachseln kommt (eventuell mit einem Küchtuch abtrocknen) ,es könnte zum Abfall -> Fäulnis führen.

In den Wintermonaten stagniert das Wachstum, im Frühjahr kommt es zu einem deutlichen Wachstumsschub. Neue Wurzeln und Blätter werden gebildet. Jetzt ist Zeit zum mäßigen Düngen. Sie können handelsüblichen Dünger (geringe Konzentration) , aber auch spez. Orchideendünger verwenden.

Grundregel: weniger ist mehr ! Zu hohe Düngung ,vorallem, wenn der Dünger auf trockenes Substrat kommt, führt dies zur Verbrennungen der Wurzeln; infolge zum Absterben. Giessen sie zuerst das Substrat mit normalem Wasser, dann mit einer schwachen Düngerlösung.

Orchideen können in den Sommermonaten leicht übernebelt werden, um gegen trockene Luft vorzubeugen. Vorsicht vor Nässe in den Blattachseln!

Nicht jede Orchidee ist für einen Aufenthalt im Freien geeigent . Manche Arten benötigen jedoch zur Blüteninduktion gerade die starken Tag und Nachtdifferenzen im Freien. Bei Dauerregen ist jedoch ein Schutz vor zuviel Nässe nötig.

 

 

Cattleyen - Bild

Temperatur: um 22-26°C am Tag, 16-18° in der Nacht. Niedrigere Temperaturen in der Nacht (bis 10-12°C) nur beim trockenen Substrat, sonst faulen die Wurzeln ab. Nächtliche Temperaturabsenkung von 4-8°C ist sehr wichtig!

Licht: Viel Licht, möglichst von allen Seiten, aber keine direkte Sonne.

Ausnahme: im Winter stehen meine Cattleyen am Fenster ohne Schattierung. Sobald die Blätter bei der Sonneneinstrahlung deutlich warm werden, soll schattiert werden. Wer die Möglichkeit hat, soll die Pflanzen ab ca. Mai bis August / September unter einem Baum im Garten halten. Achtung: Cattleyen sollen NICHT Nachttemperaturen unter 10°C oder Dauerregen über mehrere Tage ausgesetzt werden.

Luftfeuchtigkeit: 40-60% --> Standort in der Küche ist ideal, vorausgesetzt, dass die Temperatur in der Nacht um 4 - 8°C absinkt.

Giessen: wenn Substrat fast ausgetrocknet ist. Achtung: wichtig ist die Substratfeuchte im Topf, nicht auf der Substratoberfläche --> "Fingerprüfung" hilft. Giessen oder besprühen ersetzt NICHT die Luftfeuchtigkeit, die die Blätter und Bulben brauchen!

Wasserqualität: Leitungswasser ist im Normalfall gut genug, Regenwasser erlaubt höhere Düngerkonzentrationen.

Düngen: in der Wachstumsperiode (Wurzelspitzen grün) nach dem Motto "mässig aber regelmässig" düngen, in der Ruheperiode (Wurzelspitzen nicht aktiv) soll nicht oder nur übers Blatt gedüngt werden. Auch bei schwachen Düngerkonzentrationen muß immer wieder mit reinem Wasser gegossen werden um die Ansammlung der Salze im Substrat zu reduzieren.

Dünger: Orchideendünger ist vorteilhaft, bitte die vorgeschriebene Dosierung beachten. Auf keinen Fall "normale" Pflanzendünger in voller Konzentration verwenden, immer nur max. 1/4 der empfohlener Düngermenge nehmen. Es empfehlt sich, den Substrat .

Licht, Wärme und Luft- und Substratfeuchtigkeit müssen immer ausgewogen sein, das heisst: bei wenig Licht soll die Pflanze kühler und trockener gehalten werden, bei viel Licht warm und feucht.

Umtopfen: im Normalfall jede zwei Jahre, am Besten im Frühjahr, kurz bevor die Wurzeln aktiv werden. Bitte nur Spezialsubstrat verwenden, keine normale Blumenerde!

Grzegorz Kozlowski

Substrat: grobes Rindensubstrat, mit Styroporanteil.

Cattleyen kommen auf 2 Arten zur Blüte:

1. Gleich nach Vollendung und Ausreifung des Neutriebes erscheint der Blütentrieb mit Knospen .
2. Nach einer mehrwöchiger Ruhepause, sobald der Neutrieb fertig ist, erscheint die Blütenscheide, die sich dann langsam öffnet. In der "Durchsicht" sieht man relativ bald, ob die Blütenscheide mit Blütenknospen gefüllt ist.

 

 

 

 

 

 

 

Cymbidien Bild

Cymbidien lieben Freilandaufenthalt, halbschattig.

Nach den Eisheiligen können die großen Orchideen ins Freie. Sie benötigen kräftig Dünger in höherer Konzentration als andere Orchideen,ca. alle 3 Wochen. Dazu wird kräftig gewässert.

Ab Mitte September empfiehlt ein sonniger Standort. Die Pflanzen können bis zu einer Aussentemperatur von 0 Grad im Freiland gehalten werden, nur ist bei entsprechend niedriger Temperatur die Wasserzufuhr einzuschränken.

Überwintert wird in einem kühlen Raum oder im kühlen Treppenhaus. Erst wenn die Blüten geöffnet sind,können sie wieder etwas wärmer gehalten werden, obwohl natürlich bei Wärmezufuhr die Blüten nicht so lange halten können.

Bei reiner Zimmerhaltung kann die Blüte ausbleiben, da die richtige Nachtabsenkung und niedrige Temperatur nicht nachvollzogen werden kann.

e.k.

 

 

 

 

 

 

Zygopetalum Bild

Halbschattiger,nicht zu warmer Standort, hell, nicht vollsinnig. Aussenaufenthalt wirkt sich günstig aus -> vor starken Regengüssen schützen.

Die eher weichen Blätter sind anfällig für Fleckenbildung, wenn Spritzwaser auf sie trifft. Zygopetalum verträgt mehr Düngegaben, damit die Pseudobulben gut ausgebildet werden. Die Wassergaben werden im Herbst etwas reduziert, bis sich der Blütentrieb zeigt.Früher waren Zygopetalen nicht so ein Problem, durch die Ofenheizung sank die Temp. Nachts deutlich ab.

Die heutigen Hybriden sind jedoch schon etwas einfacher zur Blüte zu bringen. Der Kulturtopf sollte groß genug gewählt werden, da diese Gattung über dicke Wurzeln verfügt, die einen genügenden Platz im Topf benötigen.

e.k.

 

 

 

 

Dendrobien - Bild

Die Gattung Dendrobium ist mit ca. 1300 bekannten Arten eine der größten in der Orchideenfamilie. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Indien im Westen bis zu den pazifischen Inseln im Osten, Japan im Norden bis Neuseeland im Süden. Innerhalb dieses riesigen Verbreitungsgebietes herrschen große klimatische Unterschiede. Dennoch gibt es Arten, die auf Grund ihrer Anpassungsfähigkeit sehr weit verbreitet sind, z. B. Dendrobium anosmum, das von Indien bis Neuguinea wächst. Doch nicht nur die geographische Verbreitung, sondern auch die Höhenlagen, in denen Exemplare einer Art wachsen, sind wichtige Indikatoren für die Pflege.

Grob wird unterschieden zwischen Arten mit Ruhezeit (meist aus Monsungebieten) und Arten ohne Ruhezeit, mit deren höchster Konzentration in Neuguinea (geschätzte 460 Arten).

Die Wachstumsperiode für Pflanzen aus Monsungebieten dauert ca. von April/Mai bis Ende Oktober/Anfang November. In dieser Zeit dürfen die Pflanzen nicht austrocknen (jedoch keine Staunässe!) und auch Düngergaben sollten regelmäßig verabreicht werden.

Ausreichende Schattierung, um Verbrennungen zu vermeiden, hohe Luftfeuchigkeit (ca. 80 %) und viel Frischluftzufuhr sind ebenfalls sehr wichtig.

Ab November wird mit dem Ausreifen der neuen Triebe die kühle Ruhezeit, die ca. bis Ende Jänner dauert, durch Temperaturabsenkung (tagsüber ca. 18°, nachts ca. 14° C) und Reduzierung der Wassergaben (keine Düngergabe!) eingeleitet, doch sollten die Pflanzen nicht längere Zeit völlig trocken sein. Von Februar bis April fast kein Wasser (am besten nur sprühen) und sehr hell und auch die Temperaturen sollten durch den höheren Sonnenstand wieder steigen. Die Trockenzeit und die niederen Temperaturen sind wichtig zur Blüteninduktion! Ab Mai beginnt wieder die feuchte, warme Wachstumszeit.

Pflanzen ohne Ruhezeit werden auch im Winter ständig leicht feucht gehalten (kein Dünger!) und verlangen auch höhere Temperaturen und Luftfeuchtigkeit. Erst ab Mai soll wieder gedüngt werden. Ständige Luftbewegung ist sowohl für Pflanzen mit als auch ohne Ruhezeit wichtig.

Diese Angaben können auf Grund der großen Verbreitungsgebiete und spezieller Standorte nur sehr allgemein sein und beziehen sich ausschließlich auf Arten, nicht Hybriden!

Als weiterführende Literatur (leider nur in Englisch):

Margaret L. und Charles O. Baker „Orchid Species Culture, Dendrobium“. Timberpress, Portland, Oregon. www.timberpress.com

Auf 852 Seiten werden für 1230 Arten samt Synonymen gut gegliederte Kulturanleitungen geboten.

Ebenfalls von Timberpress:

Bill Laverack, Wayne Harris, Geoff Stocker „Denbrobium And Its Relatives“. 288 Seiten mit interessanten Kapiteln über Klassifizierung und Nomenklatur, Verbreitung, Biologie und Ökologie sowie Kulturanleitungen im 1. Teil und kurzen Beschreibungen vieler Arten mit exzellenten Fotos im 2. Teil.

Beide Bücher sind sehr zu empfehlen!

Peter Schmid

 

 

 

 

 

 

Vandeen - Bild

Vandeen verzaubern durch ihre wunderbaren Blüten, aber nicht zuletzt auch wegen ihres Wuchses.Standort i.d. Whg: Während des ganzen Jahres sehr hell bis sonnig, jedoch Mittags schattiert.

Temperatur:Ganzjährig warm, mit einer Temperaturabsenkung von 5-10 Grad in der Nacht.

Kultur ist,wegen der fleischigen Luftwurzeln, im Körbchen zu empfehlen.

Giessen: täglich die Wurzeln einnebeln, bei hohen Temperaturen tägliches Tauchen der Wurzeln in einem Kübel Wasser. Vermeiden Sie bitte, dass Wasser in die Blattachseln kommt.

Aussenaufenthalt: ist bei Vandeen empfehlenswert.Halbschattig bis sonnig.

e.k.

 

 

 

 

 

 

Miltoniopsis

Ist hingegen einiger Fachliteratur nicht unbedingt als Anfängerorchidee zu bezeichnen. Sie erfordert etwas Erfahrung bezügl. Temp; Standort; Gießverhalten und Düngung

Standort : Hell,nicht sonnig

Temperatur : temperiert, nicht zu warm. Im Sommer viel Frischluft, schattiert. Ein helles Nordfenster sollte ideal sein. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit neigen die Blätter zu unschönem Zieharmonikawuchs.

Die Gattung besitzt dünne Wurzeln, deshalb sind sie auch anfällig für zu hohe Düngergaben. ! Nie aufs trockene Substrat düngen, ! Eine angemessene Dauerfeuchtigkeit, nicht zu viel, nicht zu trocken, sollte angestrebt werden.

Nach der Blüte wird eine leichte Trockenperiode eingeleitet, bis sich der Neutrieb zeigt. Da Neutriebe zu Fäulnis neigen, ist vorsichtiges Gießen anzuraten. Um die Umgebungsluftfeuchtigkeit zu erhöhen, empfiehlt es sich Fensterbankschalen zu verwenden.

e.k.

 

 

 

 

 

 

Paphiopedilum /Frauenschuh Bild

Sie besitzen keine Speicherorgane.

Umtopfen : jährlich nach der Blüte ,spätestens alle 2 Jahre.

Frauenschuh mit marmorierte Blätter –benötigen in der Wachstumszeit etwas Wärme, danach eine kurz angedeutete Ruhezeit, in der die Temp etwas abgesenkt wird, jedoch nicht wesentlich die Feuchtigkeit verringert werden soll.

Frauenschuh mit grünblättrige Arten sind temperiert bis kühl zu pflegen, bei etwas höherer LF.

Exakte Beschreibungen: http://www.orchideen.at/paphio.htm Mag. Windisch

e.k.

 

 

 

 

 

 

Wie bringe ich frisch importierte Orchideen, die sehr häufig fast ihre gesamten Wurzeln eingebüßt haben, dazu, schnell und ohne Substanzverlust in die Bewurzelung?


Abgewandelt lautet sie auch so: Bei meiner Orchidee sind alle Wurzeln im Eimer, zusammengefault im Substrat, was kann ich jetzt tun.
Wie im Leben auch, müssen hier viele Faktoren zusammenspielen, damit sich der gewünschte Erfolg einstellt.
Zu allererst kommen wir nicht an einer genauen Betrachtung der Gesamtsituation der Orchidee vorbei und deren allgemeinen Bedürfnissen.
Jede Orchidee braucht zum erfolgreichen Gedeihen, individuell abgestimmt, Licht, Wasser, Nährsalze, Temperatur, Luftfeuchte und die passende Wachstumssituation=Substrat/Aufbindunterlage.
Bei Wurzellosen Orchideen, wie beschrieben, entfällt das zentralste Organ der Pflanze zur Aufnahme von Wasser und Nährsalzen.


In abgeschwächter Form ist jedoch jede Orchidee in der Lage, Närstoffe und Wasser über die Blätter, bei CAM Orchideen nur über die Unterseite der Blätter, aufzunehmen.
Wenn die Orchidee bestens im Saft steht, üppiges Wurzelwachstum die Folge ist, so beschäftigt sie sich damit, sich zu vergrößern und für Verbreitung/Blüte=Samen zu sorgen. Ein Kernpunkt in der Erreichung dieses Zieles ist via Photosynthese Energien zu gewinnen, die sie dann in der Folgezeit unter anderem in Speicherorganen (Bulben, Stämme, Blättern9 einzulagern. Prinzipiell sieht es nach dem momentanen Stand der Wissenschaft so aus ( oder nach meinem aktuellem Wissensstand über die wissenschaftlichen Erkenntnisse ), dass die gewonnenen Energien in kurzkettigen, wasserlöslichen Zuckern vorliegen, die erst bei der Einlagerungen in langkettige, nicht wasserlösliche Energieformen gewandelt werden. Dieser Wandlungsprozess kostet die Pflanze Kraft!


Als Transportmittel innerhalb der Pflanze zu den Speicherorganen dient u.a. Wasser, weshalb die Orchidee immer ein gewisses Quantum an Wassersubstanz haben muß. Sollte die Orchidee zu viel Wasser verloren haben, kommt der Transport und das allgemeine "Kreislaufsystem" der Orchidee zum erliegen, was zwangsläufig deren Ableben zur Folge haben wird.
Einer der Hauptmotoren des Kreislaufsytem der Orchidee ist durch Transpiration von Wasser über die Blätter einen Unterdruck bis an die Wurzeln zu leiten um so die Wasser und Nährstoffaufnahme sicher zu stellen. Nun hat unsere Orchidee keine und nun?


Genau, sie verliert trotzdem Wasser, je mehr, je lufttrockener die Gesamtbedingungen sind.-->
Der erste Faktor für eine erfolgreiche Ankultur liegt darin, die Luftfeuchte sehr hoch zu halten. Je mehr Wurzeln sich gebildet haben, desto mehr darf sie fallen, allerdings nie unter die Mindestansprüche der jeweilgen Orchideenart. Obwohl die Luftfeuchte sich also sehr hoch, über 90%, befinden soll, darf es niemals zu stehender Luft oder stickiger Atmosphäre kommen, da diese Situation ideale Bedingungen für Schwächeparasiten wie Pilzen schafft. Gerade Pilze der Familie Fusarium freut das sehr.


Da wir gerade bei Schwächeparasiten sind. Die Orchidee aus einem Import hat viel Stress zu verarbeiten gehabt und knabbert nach wie vor an deren Folgen. Gestresst wird sie durch: Rausgeholt aus ihrem Topf, Wurzel beschnitten, eingepackt, 2 Wochen im Karton ohne Licht, dann ab in den Flieger, hier angekommen, anderer Luftdruck, anderes Licht, andere Tageslängen anderes Wasser und teilweise schon erheblicher Wasserverlust.
Als Folge ist das Immunsystem nicht das Beste, teilweise haben schon ein paar wenige diese Prozedur nicht überlebt.


Der Rest ist reif für die hier beschriebene Sonderbehandlung.
Also, wir wissen jetzt, hohe Luftfeuchte ist elementar, um der Dehydration vorzubeugen, aber Obacht, frisch und bewegt, sonst kommen die Pilzpiraten und erlegen das immungeschwächte Opfer.
Aus eigener Erfahrung bringt eine prophylaktische Behandlung mit Fungiziden keinen signifikanten Vorteil, ganz im Gegenteil, die Ausfälle steigen noch mehr. Begründet dürfte es damit sein, das die Aufnahme des Wirkstoffes die Pflanze Kraft kostet, die sie so oder so kaum hat, und daher dem Ableben noch näher bringt.
Nun haben wir die Luftfeuchte hoch genug und trotzdem müssen wir darauf achten, dass die Orchidee bis zu einer gesunden Wurzelbildung niemals nur ein bischen sonnig steht, denn die Sonnenstrahlen saugen aus der Orchidee das Wasser raus ohne Ende.


Nun drängt sich der Wunsch auf, unserer Orchidee einen Krafttrunk zur schnellen Genesung zu verabreichen.
Man hört ab und an, wenn du einer frisch importierten Orchidee etwas Gutes tun willst, verabreiche ihr Zuckerlösung, am besten Melasseextrakt oder Waldhonig, 2 Esslöffel auf 10 Liter Wasser oder Ähnliches.
Tja klingt gut ne, ist es dass aber auch?


Aus meiner Erfahrung: DEFINITIV NEIN, ich lehne mich sogar aus dem Fenster und behaupte, DAS IST GIFT.
Zurück zur Orchidee? Wofür braucht sie denn Zucker, ja, genau, zum Vermehren (Volumen), zur Blütenbildung und für alle Prozesse innerhalb, die Energie verbrauchen.
Was ist denn die größte Sorge der Orchidee im Moment? Wachsen also Vergrößerm? Nein! Blühen? Nein!
Die kämpft ums Überleben!!! Ihr fehlt eines der wichtigsten Organe, sie braucht neue Wurzeln und um das Hinzubekommen, muß sie alles was sie an Kraft hat, nach unten an die Wurzelbasis führen.
Und hier liegt ein Hauptproblem vieler importierter Orchideen: Die Dehydration. Dadurch ist der Saftstrom erschwert oder garnicht möglich! Zudem kämpft sie an anderer Front noch gegen Schwächeparasiten, die auf der Lauer liegen.


Tja und nun wird es Zeit für einen kleinen Zaubertrank. Bevor wir uns aber über den Inhaltes des Elexiers beschäftigen, müssen wir einen Blick auf die Nährstoffe und andere für die Pflanze wichtigen Stoffe unterhalten wie Enzyme, Hormone und Vitalstoffe.
Wenn Wurzeln gebildet werden, so wird Pflanzengewebe produziert, also im Endeffekt Zellen und das reichlich. Also werden reichlich Zellwände und Zellkerne produziert.
Der wichtigste Nährstoff zur Zellwandbildung ist KALIUM, der wichtigste Nährstoff zur Zellkernbildung ist Phosphat (DNA/DNS).


So, diese Elemente müssen in erhöhtem Maße in unser Elexier!!!Sodele was brauchen wir denn noch, achja, ich schrieb hier was von von Vitalstoffen, genau. Darunter fasse ich z.B. Aminosäuren, die die Pflanze z.B. zur Bildung von Enzymen braucht. Diese spielen eine wichtige Rolle bei fast allen Stoffwechselprozessen innerhalb der Pflanze. Für die Bildung von Enzymen, als auch beteiligt an der Photosynthese ist der Nährstoff Magnesium, er wird auch gerne flappsig als "Mutter für Alles" bezeichnet. Auch ohne den Kommen wir nicht aus.
So, was können wir noch nehmen. Schön wäre es ja auch, wenn es eine Art Doping für unsere Pflanzen gäbe. Ja, hier ist es erlaubt, ist ja kein Leistungssport. Und das gibt es. Dies sind Präperate wie Superthrive. Enthalten sollen sie Hormone und einiges andere mehr.
Auf jeden Fall suggerieren sie der Pflanze: "es wird Frühjahr, die beste Wachstumszeit steht an, lege los".
Dies ist unser Elexier für unsere Orchidee.


Nun geht es ab in die Praxis: Wie stelle ich es denn an?
Tja, jetzt sollte man wissen, wie über den Tag verteilt ist denn unsere Orchidee aktiv? Wäre doch leidlich doof, sie mit dem Elexier zu behandeln, wo sie gerade ein Nickerchen macht. Nicht lachen, es ist so, Pflanzen machen Nickerchen.
Die Aktivitätskurve steigt mit beginnenden Sonnenaufgang rapide an, hat ihren höchsten Stand und fällt ca. ab 12 Uhr rapide.
Das bedeutet, idealer Behandlungszeitpunkt ist der frühe Morgen!!!!
Nur ein Elexier oder ists wie bei einer Erkrankung, wo mehrere Medikamente zum Einsatz kommen?
Aus Erfahrung ist es letzteres!
Zum Superthrive oder Ähnlichen Präperaten. Dosierungsempfehlung ist einmal wöchentlich, also ist das 1/7 unserer wöchentlichen Behandlung.
So, die Vitalstoffe und oder Aminosäuren bekomme ich am besten über einen organischen flüssigen Dünger. Das ist das braune Zeug, wird zum Bsp. von der Firma Neudorff angeboten. Es gibt auch den berühmten Fischdüger, stinkt allerdings wie ein Hafenpier danach, wirkt aber vorzüglich. Nachteil, ist sehr schwer erhältlich. Dosieren sollte ich Ihn bei ca. 150 µS +/-
Diese Behandlung sollte 2 x mal in der Woche erfolgen, also sind wir jetzt bei 3/7.
Als letztes sollte ein mineralischer Flüssigdünger zum Einsatzkommen, der gute Phosphat, Kalium, Magnesium und Spurenelementwerte aufweist.
Den sollte ich auf 150-200 µS. dosieren und 4 x die Woche aufbringen.
Nun, jetzt haben wir fast die gesamt Vorgehensweise zusammen, eins fehlt noch. Damit unsere Orchidee best möglich aktiv sein kann, braucht sie die für sie artspezifisch ideale Temperatur. Dies muß eingehalten werden.


In der Zusammenfassung auf den Punkt gebracht:

1: Die Orchidee muß hell, aber niemals sonnig stehen während der Verwurzelung.

2. Die Temperatur muß artspezifisch ideal sein.

3. Hohe Luftfeuchte bei 90 %+ bei frischer nicht stickiger Luft sind angesagt.

4. Alle Elexierbehandlungen erfolgen in den Morgenstunden im Sprühverfahren tropfnass auf die Unterseite aller Blätter.

5. Es sind 3 Elexiere in Tagen auf Woche aufgeteilt :
- Superthrive ( Dosierung laut Herstellerangaben) 1/7
- Flüssiger organischer Dünger Konzentration 150 µS +/-, 2/7
- Mineralischer Dünger mit guten Werten im Breich, P, K, Mg und Spurenelementen 150-200 µS +/- 4/7

So, this way ist aus meiner Erfahrung der erfolgreichste, der machbar ist.
Trotzdem muß man sich bewußt sein, 100 % erreicht man nicht, manche Orchidee ist schon zu schwer geschädigt.


Was kann jetzt noch schief gehen?


Leider doch noch etwas! in wenigen Fällen, bedingt durch das schwache Immunsystem können Pilze zu Schäden führen.
Blattschäden: Nekrotische Stelle oder befallene Stellen bis ins gesunde Gewebe zurückschneiden, eventuell das gesante Blatt entfernen.
Bulbenfäule: Hm, das kann böse werden, alle Cattsenfreunde können hier Ihr Leid singen. Die berühmte Schwarzfäule. Hier ist einfach ein wachsames Auge mein bester Schutz. In der Regel beginnt bei Importpflanzen diese Pestilenz von den hinteren Bulben aus und zieht sich durch das Rhizom um dann im Endstadium die Bulben Schwarz matschig zu machen.
Häufig ist im Anfangsstadium das befallene Rhizom gar nicht schwarz sondern bräunlich. Hier gilt, sowie ich Veränderungen in der Färbung sehe, Schere auspacken und rigoros wegschneiden bis ins gesunde Gewebe und bitte beachten, der Pilz ist weiter als das Schadbild es anzeigt.

Kann noch was passieren?


Ja, trotz der hohen Luftfeuchte geht die Dehydration der Blätter weiter, was soll ich bloß machen.
Vor allem bei Bulbenlosen Orchideen der Andenregion kann das auftreten.
Hier bleibt als letztes Mittel die Verdunstungsoberfläche zu reduzieren. Das heißt, man fängt an, die am stärksten dehydrierten Blätter zu entfernen. In der Regel reicht das aus, wenn nicht, wäre die Pflanze so oder so nicht mehr in Mittelerde zu halten gewesen.


Liebe Grüße

Leni

Herzlichen Dank an Lenhard Orchideen

SUBSTRATTEST